Definition von Training

Trainingsbemühungen können unter verschiedenen Aspekten unternommen werden:

  • Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit (z.B. nach einer Verletzung)

  • Erhaltung der Leistungsfähigkeit (z.B. im Alter)
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit (z.B. im Spitzensport)

 

Es können vor allem in den folgenden Bereichen positive Veränderungen angestrebt werden (Trainingsziele):

Gesundheit

Zu der Gesundheit gehören viele Bereiche. Die körperliche Fitness ist jedoch ein wichtiger Teil davon. Um die körperliche Fitness zu verbessern, müssen folgende drei Bereiche trainiert werden:

Bereich Trainingsinhalt Ergebnis
Ausdauer Belastung des Herz-Kreislaufes grösseres Lungenvolumen
kräftigeres Herz
mehr rote Blutkörperchen
Kraft Belastung der Muskulatur mehr Muskelmasse
straffer Körper
Muskulatur schützt die Gelenke und die Wirbelsäule vor Verletzungen
Beweglichkeit Dehnen der Muskulatur Entspannung des Körpers
Vermeidung von muskulären Fehlstellungen

Ästhetik (Aussehen)

Um die Ästhetik, das heisst sein Aussehen zu verbessern, müssen folgende Bereiche trainiert werden:

Bereich Trainingsinhalt Ergebnis
Körperfett Ausdauer
Kraft
Ernährung
straffer Körper
geringerer Fettanteil
Körperhaltung Kraft
Dehnen
aufrechte Haltung
Fehlstellungen korrigieren

Leistungsfähigkeit

Um die Leistungsfähigkeit zu verbessern, müssen zusätzlich folgende Bereiche trainiert werden:

Bereich Trainingsinhalt Ergebnis
koordinative Fähigkeiten schwierige, ungewohnte Übungen, Nervensystem Gleichgewicht
Reaktionsfähigkeit
Orientierungsfähigkeit
Anpassungsfähigkeit
Rhythmus
Mentaltraining Visualisierung (Abläufe vor dem geistigen Auge durchgehen) mit Stresssituationen umgehen können

Trainingsprinzipien

Anpassungsvorgänge im Körper werden nur dann ausgelöst, wenn die Trainingsreize eine bestimmte Intensität und einen bestimmten Umfang erreichen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Dauer, desto geringer die Intensität und umgekehrt.

Um einen Trainingsfortschritt zu erzielen, muss eine Steigerung der Trainingsbelastung (Intensität und Dauer) stattfinden.

Eine Superkompensation, d.h. ein Erholen und Wiederherstellen der Leistungsfähigkeit (Leistungsniveau) über das Ausgangsniveau hinaus, tritt bei richtig gesetzten Trainingsreizen immer ein. Diese Tatsache gilt es zu nutzen und mit geschicktem Timing (zum genau richtigen Zeitpunkt) den nächsten Trainingsreiz so zu setzen, dass die Gesamt-Trainingswirkung möglichst maximal wird.

Superkompensation grafisch dargestellt

Übertraining

Setzt man den neuen Trainingsreiz zu früh, also bevor sich der Körper ausreichend erholt hat, kann es sogar zu einem Leistungsabfall kommen:

Übertraining grafisch dargestellt

Trainingsempfehlungen

Kraft

Wer stärker werden will, sollte auf Grundübungen setzen. Zu diesen gehören Kreuzheben, Kniebeugen, Klimmzüge, Bankdrücken, vorgebeugtes Rudern und Schulterdrücken. Es sollte ein Gewicht gewählt werden, mit dem es möglich ist, 2 bis 6 Wiederholungen zu absolvieren, wobei man nicht bis zum Muskelversagen geht, sondern stattdessen mehrere Sätze mit entsprechenden Pausen zwischen den Sätzen einlegt.

Wer in Richtung Bodybuilding tendiert, sollte zusätzlich auf Isolationsübungen (z.B. Beinstrecker, Beinbeuger, Bizeps-Curls, Seitheben für die Schultern) setzen, da Kraft im Bodybuilding eher nebensächlich ist und mit Isolationsübungen Muskelmasse in gewünschten Bereichen aufgebaut werden kann. Es sollte ein Gewicht gewählt werden, mit dem eine Arbeitsdauer von 12 bis 15 Wiederholungen möglich ist. Anfängern ist von Isolationsübungen abzuraten, denn sie beanspruchen gezielt einzelne Muskeln und dienen dazu, Details der körperlichen Konstitution zu korrigieren. Es ist empfehlenswert, vor Beginn mit Isolationsübungen zuerst mit Grundübungen die Leistungsfähigkeit von Kreislauf und Stoffwechsel zu verbessern.

Ausdauer

Die Belastungsintensität bleibt bei der Dauermethode während der gesamten Belastungszeit konstant (z.B. Crosslauf am bzb). Die Wirkung ist in erster Linie abhängig von der Dauer, erst in zweiter Linie von der Intensität. Die Dauermethode ist vor allem zur Entwicklung der Grundlagenausdauer geeignet, d.h. für Anfänger und Untrainierte bei Aufnahme sportlicher Betätigung. Bei Wettkampfsportlern hauptsächlich zu Beginn eines neuen Trainingszyklus, um gute Grundlagen zu schaffen.

Die Intervallmethode zeichnet sich dadurch aus, dass die Belastung nicht kontinuierlich, sondern intervallartig erfolgt. Die Pausen werden hier so gewählt, dass keine vollständige Erholung erfolgt, sondern die/der Athlet/in sich lediglich zu etwa zwei Dritteln erholt. Hierdurch werden die Tiefe der Erschöpfung und die Wirkung des Trainingsreizes erhöht, ohne den Organismus und die Muskulatur dauerhaft zu schädigen. Diese Methode wird oft als Vorbereitung auf Wettkämpfe angewendet.

Beweglichkeit

Die Gelenkigkeit wird durch die Gelenkstruktur (Gelenke, Knorpel, Bandscheiben) bestimmt und kann nicht trainiert werden. Die an der Bewegung beteiligten Knochen können nur bestimmte Winkelstellungen einnehmen.

Die Dehnfähigkeit wird durch Sehnen, Bänder, Kapseln und Muskel beeinflusst. Sehnen, Bänder und Gelenkkapseln haben stabilisierende Funktionen und ihre Dehnungsfähigkeit lässt sich nicht wesentlich verbessern.
Die Muskulatur hat dabei besondere Bedeutung, ihre Dehnfähigkeit kann trainiert werden.

Das Dehnen (engl. Stretching) kann mit verschiedenen Dehnungsmethoden ausgeführt werden. Es wird zwischen statischem und dynamischem Dehnen unterschieden.

  • feste Position wird über eine bestimmte Zeit (mind. 20 Sekunden) gehalten
  • Muskel wird in die Länge gezogen
  • den Muskel langsam und kontinuierlich zum Spannungsgefühl in die Dehnung führen
  • leichtes Wippen, Kreisen oder Schwingen
  • Muskel nicht maximal dehnen und Spannung nicht aufrechthalten
  • kurze, dafür aber mehrfache Dehnung

Allgemeines übers Kraftraining in Frage-Antwort-Form

  • Muskelquerschnitt: Je grösser der Muskelfaserquerschnitt ist, umso höher ist die Kraft.
    Muskelfaserspektrum: Schnell zuckende FT-Fasern können eine höhere Spannung (Kraft) generieren als langsam zuckende ST-Fasern.
  • inter- und intramuskuläre Koordination: Je mehr Muskelfasern sich an einer Kontraktion beteiligen, desto höher ist die Kraft = intramuskuläre Koordination. Je besser das Zusammenspiel der an einer Bewegung beteiligten Muskeln ist, umso grösser ist die Kraft, die angewendet werden kann = intermuskuläre Koordination.
  • Energiebereitstellung: Bei kurz andauernden maximalen Kraftleistungen hat der Energieumsatz pro Zeiteinheit (= Energieflussrate) eine hohe Bedeutung. Hierbei spielen die energiereichen Phosphate ATP und CrP eine wichtige Rolle. Bei länger andauernden zyklischen Belastungen wird zusätzlich die glykolytische Energiebereitstellung beansprucht.
  • Motivation und Willen: Sehr hohe Muskelanspannungen erfordern vom Sportler hohe Willensfähigkeiten. Die Wettkampfatmosphäre kann dabei verstärkt auf die Motivation wirken.
  • Beherrschungsgrad der sportlichen Technik: Je besser eine sportliche Technik beherrscht wird, umso mehr kann das vorhandene Kraftpotenzial leistungsförderlich eingesetzt werden.

Mit der 1 RM (1 Repetition Maximum), einer Wiederholung bei so hoher Kraft, dass ich es gerade noch schaffe. Oder 8 WH, die ich gerade noch schaffe. Dies wären dann in etwa 80% meiner Maximalkraft.

  1. Gute Technik und korrekte Ausführung sind wichtiger als ein Rekord!
  2. Bitten Sie Kollegen/innen um Hilfestehen bei maximalen Lasten!
  3. Wärmen Sie sich gut auf!
  4. Gehen Sie konzentriert an die Gewichte, bereiten Sie sich mit leichten Lasten vor!

Ziel

  • Anregen des Kreislaufes
  • Aktivieren der betroffenen Muskulatur (z.B. Beinmuskulatur)
  • Aktivieren und Stärken der Rumpfmuskulatur

Dauer:

  • ca 15 min

Vorgehen

  • Laufen 5-8 min oder Seilspringen 3-5 min
  • evt. leichte Gymnastik
  • 5-8 Rumpfkraftübungen (je 15-20 WH oder 30s)

Die Maximalkraft tritt z.B. auf im Gewichtheben, Kugelstossen, Diskus- oder Hammerwurf.

Die Reaktivkraft wird z.B. in der Stützphase beim100-m-Sprint, bei Volleyball- und Basketballsprüngen oder bei der Beinarbeit im Tischtennis benötigt.

Schnellkraft tritt z.B. im Handball, Volleyball, Basketball und Fussball auf.

Die Kraftausdauer kommt z.B. im Radsport, Klettern, Rudern, Kajakfahren, Ringe- und Seitpferdturnen vor.

Unter Maximalkrafttraining versteht man Massnahmen zur Steigerung der intramuskulären Koordination. Bisher nicht an der Kontraktion beteiligte Muskelfasern können dann mitaktiviert werden. Es kommt zu keinem Dickenwachstum der Muskelfasern. Diese Form des Krafttrainings bietet sich in Sportarten/Disziplinen an, wo die Sportler auf ihre Maximalkraft angewiesen sind, aber eine Gewichtszunahme unerwünscht ist. Dies ist z.B. der Fall im Volleyball, Skispringen oder Basketball. Da das Maximalkrafttraining stark gelenkbelastend ist, bleibt es Leistungssportlern vorbehalten.

  • Kraftmaschinen eignen sich gut für den Aufbau von Muskelmasse.
  • Medizinbälle sind vielseitig einsetzbar, speziell für Explosivkrafttraining.
  • Gewichtswesten lassen technikorientierte Übungen zu für die beanspruchten Muskelschlingen.
  • Schlingentraining (z.B. TRX) eignet sich für eine gute Muskelkoordination und spricht viele Muskeln an.

Methodische Trainingsgrundsätze

Grundsätze Beschreibung
Überschreiten der Reizschwelle Es muss ein genügend grosser Reiz gesetzt werden, damit sich etwas verändern kann.
Progressive Steigerung Der Reiz muss stets der gestiegenen Leistungsfähigkeit angepasst werden (Anpassung nach oben).
Variation Der Körper gewöhnt sich sehr schnell an eine Belastung, nützt daher die gleiche Muskelsteuerung und braucht beispielsweise immer die gleichen Muskelfasern. Das Abändern oder auch Auswechseln der Übungen verspricht Erfolg.
Belastung und Erholung Der neue Trainingsreiz muss zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Erfolgt der neue Reiz zu früh oder zu spät, vermindert sich die Leistungsfähigkeit.
Wiederholung und Kontinuität Nur mit einem regelmässigen Training kann man Fortschritte erzielen („Einmal ist keinmal“).
Zyklisierung/Periodisierung Es ist erfolgsversprechend, sowohl den Ablauf und die Intensität eines einzelnen Trainings als auch den Ablauf eines ganzen Trainingsjahres gezielt zu planen.
Individualisierung Jede Person reagiert unterschiedlich auf einen bestimmten Reiz. Die individuelle Erholungsfähigkeit, das Geschlecht und das ganze Umfeld müssen miteinbezogen werden.
Altersgemässheit Es spielen sowohl das Lebensalter als auch die Anzahl Trainingsjahre eine wichtige Rolle.
Spezifizierung Um konkrete Fortschritte erzielen zu können, müssen auch die sportartspezifischen Bewegungen geübt werden.
Literatur:
Eigenmann, P., Grundlagen zum Trainingsprozess, St. Gallen, 1998
Hegner, J. et al: Erfolgreich trainieren, ASVZ. Vdf Hochschulverlag der ETH Zürich, Zürich, 2000
Keller, P., Theorie der Trainingslehre. Trainingslehre Theoretische Grundlagen WT1, 1-6, MGB-
Koordinationsstelle, Zürich, 1998